End Times
Blonde hilflose kleine Engelchen stellt Jill Greenberg ins Zentrum ihrer Fotoserie »End Times«, die entstandenen Portraits sind bis zum achten Juli in der Paul Kopeikin Gallery Los Angeles zu sehen. Zwei- und Dreijährige, großformatig präsentiert, hochglänzend, erstklassik beleuchtet, perfekt retuschiert. Leidend. Rotz und Wasser heulend.
»The first little boy I shot, Liam, suddenly became hysterically upset. It reminded me of helplessness and anger I feel about our current political and social situation. (…) It’s as if they believe the apocalyptic End Time is near, therefore protecting the earth and future of our children is futile. As a parent I have to reckon with the knowledge that our children will suffer for the mistakes our government is making. Their pain is a precursor of what is to come.«
Mo mailte mir den Link, »was popnuttiges, guck Dir das mal an«. Was popnuttiges, definitiv und wie und ob, und auch eins der ersten Postings, bei denen eine vorab interne Besprechung gar nicht so verkehrt gewesen wäre.
Die Bilder basieren zu größeren Teilen, als man vielleicht auf den ersten Blick vermutet, auf realen Fotografien. Zumindest die Tränen und Speichelfäden sind echt. Erstaunliche Darsteller, die Kleenen? Greenbergs Portfoliosite läuft unter dem Pseudonym »The Manipulator«. Die Frage, mittels welcher Techniken sie die Kinder manipulierte, um derartige Ausbrüche termingerecht ablichten zu können, wurde erwartungsgemäß von Anderen bereits gestellt und im Pressetext wie auch im Podcast von American Photo von Greenberg beantwortet.
»I had to learn the hard way that they had to be no older than 3 because beyond that they just don’t cry so easily. At that age, one needs to merely give them a lollipop and then take it away, et voila - pain and agony.«
Vorsätzliche Enttäuschung von Kleinkinderaugen um der hehren Kunst willen, ob mit oder ohne politischem Anspruch? Was meint ihr?



Grenzwertig. Sieht aber schlimmer aus als es ist. In dem Alter können die über Kleinigkeiten so abgehen… Nein mein iMac - meine Maus und BAM. Sinnflut. 30 Sekunden später ist nie was gewesen.
die fotos sehen ein bisschen so aus wie die mediengruppe-telekommander-fotos von lars borges mit dem wahrscheinlichen unterschied, dass die mtk beim shooting nicht rumgeheult hat.
[…] Taschentücher gibt’s hier. […]
Verdammt schwieriges Thema. Das Weinen ist nicht schlimm, aber was ist, wenn ein Kind später das Foto als unerträgliche Verletzung seiner Intimsphäre ansieht? … Die Bilder sind großartig und widerlich zugleich. Zu viel Ironie. Zu wenig Respekt. Er spielt ein Spiel mit subversiv aggressiver Ästhetik. Mögen die Kinder sich eine Canon 5D nehmen und zu geeigneter Zeit zurückschlagen. … Kennt jemand den Film “Augen der Angst” mit Karl-Heinz Böhm? … fällt mir nur gerade so ein.
[…] [via popnutten] […]
Das finde ich schrecklich! Sowas ist in meinen Augen keine Kunst…Kinder zum weinen zu bringen ist unmöglich!!!
hört auf zu heulen. unerträgliches “moralisches” gejammer.. alles im rahmen.
schöne bilder!
Wer konstrucktive Kritik als Heulen bezeichnet, hat scheinbar noch nie wirkliche Kritik gelesen? Kinder zum weinen zu bringen ist unmoralisch. Kinder sollte man behüten und nicht absichtlich verletzen. Vermutlich sind die die Kritik als Heulen empfinden nie behütet worden? Unsere Kinder weinen genug und es gibt genug Kinder die wegen unserer Gesellschaft weinen, sei es aus Hunger, sei es durch missbrauch oder anderes, ich empfinde diese Bilder als Missbrauch gegen diese Kinder und sowas sollte angezeigt werden. Das hat mit Kunst nichts mehr zu tun, das ist in meinen augen geradezu arm, aus kreativitätsmangel heraus die schutzlosesten Wesen zu BENUTZEN!
Wo ich die Bilder zum ersten mal gesehen habe, könnte ich mir nie vorstelen dass das echte Tränen sind. Doch wo ich mir die seite angeschaut und gelesen habe. War ich totall ettäuscht.!!
Denn das was sie macht ist nicht normal!
Und das hat garnichts mit Kunst zu tun.
jill greenberg hat die kinder nicht geschlagen. sie hat ihnen keine horrorfilme gezeigt, sie nicht erschreckt. nichts getan, was ihnen psychosen zufügen könnte. wenn es sich nachhaltig auf einen menschen auswirkt, wenn man ihm als kind den lolli wegnimmt, dem man ihm später mit sicherheit wiedergibt, ist mit diesem menschen grundsätzlich was kaputt. die bilder sind künstlerisch und kunsthandwerklich erstklassig. ich bin nur mit ihrer interpretation nicht einverstanden. denn sie führt vor, dass das, was wir ihr vorwerfen, kinder zu manipulieren, sie eigentlich mit uns macht. nämlich unsere animalischen instinkte zu aktivieren und in verbindung zu bringen mit kulturell eingeübter ikonografie. das erzeugt ein merkwürdige melancholie. die kritik an greenberg ist vielleicht ein versuch, diese melancholie einzuordnen.