Siehst Du den Mond über Berlin?

Der Mond über Berlin, Ich habe ihn gesehen! Dienstag Abend, genau überm Admiralspalast , und er leuchtete – bis auf die unüberraschenden und üblichen Schatten und Schlieren – vollkommen. Dienstag Abend, und mehrere schwer, teuer und folglich wichtig wirkende Fototaschen, darunter versteckt ich rasende Reporterin sowie Aushilfs-Popnutte Carsten, hatten uns nebst versammelter Berliner Presse zur Fotoprobe der von Klaus Maria Brandauer inszenierten Dreigroschenoper mithereingeschummelt.
Vorneweg und ohne Spannungsbogen: gut isse geworden. Wer die Dreigroschenoper noch nie gesehen hat, für den läuft der Countdown bis zum 24. September, Karten gibt es ab 17 Euro. Wer seine intellektuellen Basispflichten bereits beglichen haben sollte, der wird an genau dieser Neuinszenierung seine Freude haben, plus einen schönen Abend noch dazu.

Der Mond über Berlin, der war nur keineswegs und so richtig wirklich überhaupt gar nicht Orange. Und bleibt mir fort mit knalligem Violett. Und sollte es jemand wagen, mir beibringen zu wollen, ihm wären bei Lunas Anblick Vokabeln wie einmalig, schillernd und provokant auf die Zungenspitze gehüpft, so werde ich ebendiese höchstpersönlich, mit dem allergrößten Vergnügen und obendrein fachgerecht a-b-t-r-e-n-n-e-n. Und den bunten MetaDesignern mit unter die Erde geben.
Don’t get me wrong: Diese überall und da und ja auch dort losgelassene Ich-machs-mit-Sonderfarben-Kampagne, sie sieht ja ganz schick aus, mag etwaig vorhandenen Brecht- und Weill’schen Staub hinfortblasen und sich selbst in theaterfremde junge Köpfe setzen – welche sowieso schon hinreichend bedient werden durch Gags wie Campino. Aber sie hat genau nichts, nichts, nichts mit der realen Inszenierung zu tun.

Diese Dreigroschenoper, sie funktioniert mit Graustufen. Vielmehr, sie funktioniert nicht trotz ihrer Unaufgeregtheit sondern genau deswegen. Diese zurückhaltende, nicht-mondäne, nicht-moderne, nicht-prätentiöse Darstellungsform gibt den grandiosen Gesichtern und Stimmen der Schauspieler und Musiker genau den Klangkörper, der die alte Dame (*1928) zum Schwingen bringt. Michael Kind als Tiger Brown, Birgit Minichmayr als Polly, Gottfried John als Mr. Peachum, der Vorhang-Auf-und-zu-Schieber: sie alle sind ehrlich, stark, und einfach wirklich, wirklich gut. Und Campino: nunja, zumindest Ich werde ihn aufgrund kindheitsüberretteter Emoduseleien nicht verreißen. Meckie Messers Kleider, die sind aber auch..
(alle Fotos: Carsten Wilde. Thx!)


uh. ich bin blind. nö, nich wegen der wunderbaren fotos hier, sondern wegen unvorsichtigem klick auf diese designer-asibratzen.
aber hörn se mal, kann man denn da wirklich gefahrlos hin? weil so mit campino als meckie messer, das is ja beinah so wie angela merkel als mata hari.
[…] Ich konnte es mir leider nicht ansehen, hätte es aber zugern getan. Gerade und weil es so aktuell denn je scheint. Hmm… doch dafür war Julia von den Popnutten mit dabei und schreibt dafür eben sehr fein. Schnell lesen bitte. Danke sehr. […]
Mhh so wirklich Lust auf die Dreigroschenoper hat man ja jetzt nicht…wenn alles so nett ist. Spiegel schreibt übrigens ziemlich genau das selbe
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,431410,00.html
selbe~gleiche?
Beste Grüße
@ntropie: weil so mit campino als meckie messer, das is
ja beinahso wie angela merkel als mata hari. (gefahren könnense selber einschätzen.)