Es lebe die Straße!
Monsieur Alain Bieber, vielleicht bekannt von rebel:art, der hanseatischen Stickersafari oder auch ganzwoandersher, hat bei artnet einen kleinen Essay über Streetart veröffentlicht, eine Ode an die Straße.
»Die Straße ist, war und wird das einzig wirkliche freie und demokratische Medium für die Kunst bleiben. Denn sie ist Nährboden, Blutkreislauf der Gesellschaft und das ideale Experimentierfeld.«
Soweit so gut, so unterschrieben, so mitgefühlt. Es folgt: die Kampfschrift.
»Street Art ohne Straße ist wie Latte Macchiato ohne Milch. Wenn sie von ihren Wurzeln getrennt wird, welkt sie schnell und fängt an zu stinken. Werke, die auf der Straße wirken, weil sie einen Moment der Überraschung provozieren, weil sie in den Stadtraum intervenieren und mit Symbolen spielen, werden in der Galerie wieder zum Dekor. Der Raum klaut ihnen die Pointe und ruft in Versalien: KUNST!«
Nun hat er ja Recht. Streetart ist genau dann wirklich grandios, wenn sie in den Dialog tritt mit ihrer Umgebung. Wenn die Frau genau dort, der Mann genau dort, der Clown genau dort sein Fleckchen findet. Aber Latte Macchiato ohne Milch ist immerhin noch ein Espresso. Nicht wirklich ein Genuss, aber nach dem Essen nicht verkehrt. Um Streetart lieben zu lernen, oder überhaupt darauf aufmerksam zu werden, einen Zugang zu bekommen, braucht es manchmal einen Anstoß. Ich bin immer wieder überrascht, wenn Freunde von mir, die mitten in wild wunderschön beklebten Berliner Ecken leben, meinen, sie wüssten nicht, was Streetart sei. Sie nie wirklich bemerkt haben, die Bilder und Gespräche; sie ignorieren, ausblenden. Einmal auf die Backjumps geschleift, und sie waren angefixt. Es lebe die Straße, ohja!, aber sie wird weiteratmen, Streetart-Galerien oder Streetart-Ausstellungen hin oder her.


Ähm - wem dafür erst die Umgebung Galerie/Museum die Augen öffnet, der/dem ist auf der Strasse auch nicht zu helfen.
das ist der anfang des ausverkaufs …
was sagt ihr denn zum format internet? dort werden die sachen doch ähnlich aus dem straßenkontext herausgerissen.
ich denke das internet ist lediglich ein streetart teaser, eine unbeholfene doku. so wie porno nie den sex ersetzen wird so wird streetart im netz nur ein schatten der echten sein der lust macht den schattenspender zu sehen.
die galerie verhält sich hingegen zur streetart wie die peep show zum echten konsensuellen sex. sie wird vielen genügen (müssen), den meisten nicht.
btw. habt ihr den trackback gekillt?
http://sum1.onreact.com/index.php?p=1027
phew. stunk und kunst sind wohl nicht ohne grund anagramme voneinander. nur der geschmack am boratfilmchen vergeht einem, wenn seine militanten werber, wie juengst geschehen, anfangen, den graffitispielraum fuer produktwerbung zu nutzen. oder wars am ende ein begeisterter fan, der die bestfunktionierendste werbekampagne der welt in die subkultur ZURUECKgetragen hat???
schwer zu sagen, schwierig. auf jeden fall ein grund, selbst in dieser versteckten optischen sinnesenklave in zukunft die augen zu verschliessen, auf die gefahr hin, ein paar ganz leise, wunderbare dinge auch noch zu verpassen.
naechste moegliche reaktion: blurbflies.
lange kanns nicht dauern, es gibt ja genug nerds in der technischen entwicklung von instrumenten der kunst der aufmerksamkeitserzeugung.
jautsch.
[…] Interessantes Essay von Alain Bieber über Streetart. Das Statement von Julia (Popnutten) zu diesem Essay find ich auch sehr interessant. Wie sie trefflich bemerkt wissen die meisten Menschen leider nicht was Streetart ist und würden es auch nicht mal erkennen wenn sie direkt davor stehen. […]
[…] Es lebe die Straße! Julia (Popnutten) nimmt Streetart auch fern der Straße in Schutz, auch wenn viele befürchten, dass Streetart in Ausstellungen und anderen Kontexten „entwurzelt“ wird. Reaktion auf einen Essay von Aktivist Alain Bieber (rebel:art, stickersafari) bei art […]
Das Thema Street Art wurde auch im Juni-Heft des Kunstmagazins “ART” aufgegriffen.
Hier ein Ausschnitt als PDF-Datei.
StreetArt ist auch aufwändig und kann für den Künstler bei größeren Projekten allein von den Materialien her richtig teuer sein (Farbe, große Drucke, Schablonenmaterial, Material für Skulpturen, …). Daher finde ich es nicht schlimm, wenn Künstler sich sowohl auf der Straße austoben als auch auf Leinwände malen oder sprayen, auch die Brotlosen müssen ihre Brötchen bezahlen.
Ich sehe keinen Widerspruch darin, in verschiedenen Medien zu arbeiten. Die Künstler können sehr wohl für Gallerien “ihren” Raum schaffen, beispielsweise sogar schon in ihren Werken.
Was ist denn z.B. mit Banksys Ausstellung?
Ist das Ausverkauf? Oder Ausmisten von alten Sachen, die es auf der Straße schon gab? Oder gar selbst schon ein Kunstwerk? (der Elefant löste heftige Reaktionen aus)
Ausverkauf zu rufen ist natürlich nicht besonders schwer. So eng sollte man das alles aber nicht sehen. Nicht umsonst hingen Bilder von StreetArt-Künstlern schon in der Tate Gallery. ;-)
btw ..soweit ich weisz wurd graffizi auch ziemlich ausverkauft und geschadet hat´s wie mensch sieht auch nicht.