Große Kurz- Kunst-, Animations-, Doku- und Musikfilme schwirren im Netz, auf Festivals, auf Studentenfestplatten umher, aber sicher. Nur: wer findet sie? Blogs wie die Popnutten existieren, die zwei drei anderen, die das Wasser reichen – aber sonst? Was bis gestern fehlte, sind 10 Leute mit Geschmack, Mut in Sachen bewegter Bilder und Schreiberfingern, die sich Webspace schnappen und ein Nischen-Videomagazin hochziehen.
Leute, die Filme lieben.
»Leidenschaftliche Filme. Und mutige, radikale, überraschende, gefährliche, revolutionäre Filme. Filme, die ein OH! im Kopf auslösen und sich dort einbrennen. Filme über die man lacht und weint und nachdenkt. Filme in denen Herzblut steckt, und keine halbe Million.«
Technisch sehr beta kommt OH! - Das Videomagazin heute noch daher, die Filme aber, die sich im Fullflash versteckt eingenistet haben, sind groß. Nicht jeder, nicht alles, und ein schmerzliches Vermissen einiger Bildermacher, aber Vincent Elka, AlexandLiane und Daniel Mulloy nebeneinander, das hat schon was.
»Wie ein Kind, dass sich im Kreis dreht und seine Umgebung zu einem leuchtenden Chaos reduziert.«
Kleine Geschichten, die sonst niemand auf große Geschichtengröße aufbläst, um von ihnen zu erzählen, kleine Kopfstürme, die hin- und hergewälzt, bestaunt, belacht und bewundert werden wollen, diese kleinen Gedanken packt Lev Yilmaz in lakonisch unaufgeregte Comics und Animationsfilme.
Die bewegten Tales of Mere Existence: …stuff you think but don’t talk about ruckeln mit Kinderstrichen zu knarzender Erzählerstimme vor sich hin. Ein, zwei Minuten lang, es geschieht wenig neben ein paar neuen Zacken, Pfeilen und Monotonien, und dann, dann, ganz zum Ende hin, reiße ich den Mund, die Augen, die Arme auf, und fasse es nicht. Ha!
Dem Short »Ah« von Bastien Dubois, Joris Bacquet und Simon Moreau mehr hinzuzufügen als ein ».«, den Link zum Film und zur Site, fällt aus. Kann.nicht.
Ein düsteres, dumpf pochendes Lagerfeuermärchen erzählt Run Wrake mit seinem Über-Kurzfilm »Rabbit«. Eine Saga von Gier, Geifer, Götzenbildern — verpackt in harmlos bunte Fibel-Sticker aus den 50er Jahren.
»Once, they were new, delivering a simple message to those also young. Like us, however, they have grown older and now present a more complex meaning.«
Schon in vollem Gange das 1. Pornfilmfestival Berlin, seit gestern laufen die Filme in den Neuen Kant und im Xenon-Kino. In alter Spontanmanier: schnappt euch Karten, bis Sonntag gibt’s noch so einiges zu sehen. Das komplette Programm findet ihr hier, für die Entscheidungsunfreudigen einige herausgegriffene Schmankerl:
Donnerstag, 19.10., 20 Uhr: Looking for an Angel (Akihiro Suzuki, in person)
Donnerstag, 19.10., 22 Uhr: Kurzvideos (Girlswholikeporno, in person)
Freitag, 20.10., 16 Uhr: Durch die Nacht mit… (Bruce LaBruce + Jörg Buttgereit (in person)
Freitag, 20.10., 18 Uhr: The Girl Snarfs Roaches (Yuji Kitano, in person)
Samstag, 21.10., 18 Uhr: The Black Glove/ The Elegant Spanking/ A Lot of Fun for the Evil (Maria Beatty, in person)
Samstag, 21.10., 22 Uhr: Buck Off (Buck Angel, in person)/ excerpt of Cirque Noir (Brian Mills)